Wlada Ulmer lebt heute mit ihren Eltern in Ulm. Nachfolgend beschreibt sie ihre ersten Schritte beim CVV.

Naja, die Halle ist nicht übel, aber wer ist bitteschön der Opi in der Ecke, und das komische Trikot mit der Aufschrift "CVV"? Er wird doch nicht ... nee, oder? Nein, das kann nicht sein ... ahh NEE! Wohl nicht der Trainer??? Kurzer Rundblick durch die Halle, halb mauke, ehemals weiße und nun gelb-graue (wie die Zähne meine Uroma) Volleybälle, paar herumhüpfende Mädels und das war`s ... Das kann doch nicht sein... . Also noch einmal: Bälle, Mädels, klebrige Pfütze aus irgendeiner ausgelaufenen Trinkflasche, Opi... . Hmm, letzter Versuch: Opi, Bälle, Pfütze, Mädels. Ahh, .. tja .. anscheinend ist er doch Derjenige, der mich trainieren, beschützen, mit der harten väterlichen Hand zurechtweisen wird und mir ein Taschentuch anbietet, damit ich nicht im eigenen Rotz ersaufe, falls ich irgendein Spiel verlieren sollte. Na denn mal auf in den Kampf! Freundlichstes und strahlendstes Lächeln auf den Lippen, Dackelaugen und um Gottes Willen kein Wackeln mit dem Hintern. "Guten Tag", ein netter, wenn auch nicht besonders einfallsreicher Gruß meinerseits. "JULIANE!!! Hintern runter, ich sag`s noch mal: Hintern nach unten. Ja... , richtig so. NEIN!!! Hinter den Ball, nicht seitlich, nicht seitlich, HINTER!!!" - ahhm ja, anscheinend ging der nette Herr nicht auf mein "Guten Tag" ein. Nächster Versuch; "Gu..." - "Nein Caro! Deine Finger sind nicht in der richtigen Haltung, wie nimmst du den Ball an?" Ich wurde weiterhin nicht bemerkt, also langsam wurde ich ungeduldig. "HAAALLLOOO!!!" "Wer schreit denn hier rum?", fuhr mich der Trainer an. Wenigstens irgendeine Aufmerksamkeit. "Sowas wie du lief hier noch gar nicht rum... Obwohl, ich könnte dich glatt übersehen haben, bist ja klein wie ein Zwerg." Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Gleich in dieser ersten Trainingsstunde lernte ich, wie man den Popo richtig hält (unten, schön weit unten). Außerdem durfte man nicht a) irgendwelche komischen Linien übertreten, b) im Netz hängen (könnte ja reißen), c) an Herrn Schuppans Nerven herumspielen (der Geduldsfaden war auch nicht immer sehr reißfest). Das Letztere prägte ich mir bei all den hunderten Strafrunden genauestens ein. Langsam lebte ich mich ein. Die Mädels waren nett, nur die wechselten sich viel zu schnell ab. Kaum fing eine an, hörte die nächste schon auf (wobei die Trainingsmethoden wohl wirklich nicht der Grund sein konnten). Wir trainierten oft, wir trainierten hart, wir trainierten... . So ziemlich ohne sichtbaren Erfolg. Zum Ball rannten entweder alle sechs Mädels oder gar keine. Unser Bagger wurde liebevoll als "Holzhacken" bezeichnet, und die Aufgaben kamen ungefähr so oft über Netz wie ein Jackpot im Lotto. Doch wir blieben standhaft und hatten sogar ein Angebot für unser erstes Turnier. Schon aufgeregt und mit fliegenden Volleybällen im Bauch traten wir an, um die Ehre bei den Pinguinen Spremberg zu verteidigen.. Es war wirklich aufregend. Sogar bei solchen äußert schwierigen Hindernissen wie Regen, Kälte, unbestechlichen Schiedsrichtern und den übergroßen XXL-Trikots, die mir zum Beispiel unter den Knien baumelten, schafften wir den 3. Platz (dabei möchten wir übersehen, dass nur 5 Mannschaften gespielt haben). Unser guter Ruf verbreitete sich schnell und schon kamen sogar Mädels aus der damaligen Neunten zu uns. Ich kann mich noch an Iren und Cynne als Erste erinnern. Damals, ach die schönen alten Zeiten, spielten wir noch so äußerst komplizierte Aufwärmspiele wie Steg-Geh, Fange und Zeithasche. Ich rempelte eine an und so kamen wir irgendwie ins Gespräch. Dann kam eine förmliche Flut aus der 9c. Karo, Franzi, Sandra und die unübersehbare Sandy waren nur einige davon. Dann kam aber unsere größte Blamage, das Weihnachtsturnier. Das Ergebnis für mich persönlich: letzter Platz, aufgeschrammte Knie und ein Hals über Kopf verknallter Schiedsrichter auf dem Hals. Herr Schuppan riss vor Enttäuschung an seinen wenigen noch verbliebenen Haaren und wir zweifelten an unserem Können. Doch wir trainierten weiter, ohne Rücksicht auf Verluste zu nehmen. Dabei verloren wir einige unserer tapferen Kämpferinnen (Lalu, Jessi und ein paar andere). Mögen sie in Frieden ruhen... ich meine ihr volleyballloses Leben genießen. Wir lernten auch ein neues System kenne, dass ich liebevoll "Der blöde Steller rennt immer" taufte. Wir erfassten es schnell. Ich meine, nach zwei, drei Monaten haben wir endlich geschnallt, dass die Eins nach der Zwei und die Vier nach der Drei kommt. Außerdem lernten wir die hohe Kunst des Angreifens. Manche erfassten es so schnell wie Sandy, die schon nach einer Woche Übung den Ball fehlerfrei auf den wohlgeformten Schädel unseres Trainers platzieren konnte. Die Anderen lernte es weniger schnell, und manche, si wie ich, nie. Auf jeden Fall wurden wir ein echt starkes Team und manche vermuteten, dass wir wegen unseres Könnens überall gefürchtet wurden. Ich vermute, dass die Angst vor uns eher an unseren zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftigen Trikots lag. Inzwischen wurden mein treuherziges Angreiferpärchen Franzi und Denise und ich zu den Großen übernommen, wo wir unser bescheidenes Können steigern sollten. Die Großen waren echt coll und unter ihrer klugen Anleitung gewannen wir mehrere Punktspiele, zwei an der Zahl. Wir steigerten unser Können und das Training wurde mit jedem Mal härter. Für mich sah meine persönliche Trainingsstunde so aus:
17.00 Uhr: Die Anderen wärmen sich fleißig auf, meine Wenigkeit strampelt wie besessen in die Pedale
17.10 Uhr: Ich komme an, lass mein Bike bei den anderen verrosteten Drahteseln stehen und sprinte rein in die Halle
17.11 Uhr: Ich schleich mich möglichst unauffällig in die Umkleidekabine, wenn ich Glück habe klappt das auch. Wenn nicht, dann geht eine Sirene namens Claudi oder Iren los und es wird freundlich gekreischt: "Hallo Wlada!". Da Herr Schuppan aber ein ziemlicher Nullchecker ist, geht es meistens, aber nicht immer gut.
17.20 Uhr: Nach einem hastigen Klamottenwechsel, einem kurzen Smalltalk mit den Großen und einem ausgiebigen Make-up-Check erscheine ich in der Halle. Ab da gibt es zwei Möglichkeiten: a) Herr Schuppan hat schlecht geschlafen, motzt mich wegen Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit voll und ich laufe mit einem schuldbewußten Grinsen meine Strafrunden ab; b) Herr Schuppan ist mit Welt zufrieden und bemerkt mich nicht, bis die oben genannten Sirenen ihn darauf aufmerksam machen. Wenn er gut drauf ist, reicht ein unschuldiger Augenaufschlag, um sein Gemüt zu beruhigen. Dann darf ich mich dehnen (daß heißt weiteren Smalltalk genießen).
17.40 Uhr: Alle sind warm (ich auch vom heftigen Diskutieren mit Franzi, ob sie mir doch noch ein einziges Mal meine Unpünktlichkeit verzeiht)
17.42 Uhr: Übungen am Netz. Alle versuchen anzugreifen. Ich fische die Bälle aus dem Netz und darf mir das Gemecker über schlechte Pässe anhören.
17.50 Uhr: Nach dem königlichen Gebrüll "Aufgaben" müssen wir unsere wohlgeformten Hinterteile zur Grundlinie bewegen und zusehen, wie wir die Bälle über das Netz bekommen. Inzwischen klappt es sogar, weil die Meisten wissen, als wessen Kopf sie sich den Ball vorstellen müssen (kein weiterer Kommentar).
18.00 Uhr: Pause! Alle stürzen halb verdurstet auf die Trinkflaschen und tanken Kraft für die weiteren Folterungen. Herr Schuppan regt sich aufgrund zahlreicher Wasserpfützen wie immer auf.
18.10 Uhr: Spielzeit. Wir schlittern am Boden, hechten nach den unmöglichsten Bällen, bringen WAHNSINNIGE Leistungen. Wozu? Um uns noch einen weiteren Kommentar anzuhören, wie sauschlecht wir doch sind.
19.00 Uhr: Schluss! Noch gemütlich umziehen (Lästerstündchen inklusive) und wir dürfen die Horrorhalle verlassen.
19.10 Uhr: Abschiedsknutsch- und Kuschelrunde und ein weiterer, ach so begehrter Streit mit Fräulein Arndt.
Noch ein wichtiges Kapitel in unserer höchst interessanten Vereinsgeschichte: WOLFSBURG!!! Da wurde es ja etwas lustig. Wir lernte die hochattraktive Männermannschaft kennen. Und gingen sogar mit unserem Trainer in die Disco. Obwohl ich Herrn Schuppan immer noch nicht tanzen gesehen habe, dafür aber schon manch einer der angealterten Männermannschaft sein Tanzbein schwang und mit Elvisparodien ein paar Frauenherzen eroberte. War ganz toll, abgesehen von ein paar angetrunkenen tanzenden Hinterteilen, die uns doch etwas belästigten, und dem Anstandswauwau, der uns schon um ein Uhr aus der Halle beförderte. Wie gesagt, ein tolles Turnier, auch wenn wir nur den Vorletzten machten und statt Sekt Gummibärchen nach Hause transportierten.
Der krönende Abschluss: Das Trainingslager! Darüber könnte ich mich jetzt stundenlang auslassen, aber ich will euch ja nicht auf den Geist gehen und begnüge mich damit, dass ich sage, dass es das beste Trainingslager in meinem Leben war (vermutlich deswegen, weil es das einzige war). Ich hoffe, dass es für euch genauso lebendige Erinnerung bleibt wie für mich. Ich meinerseits werde noch meinen Enkelkindern über Geburten von Rehkitzen, Sandys, Irens und Co. Toplessnachtbaden, die verfressene Killermaus, Claudis Puder, Herrn Schuppans kaputtgespieltes Surfbrett und die Fünf-Minuten-Terrinen Diät berichten ... ... ..